„Als Abbild seines eigenen Leibes, männlich und weiblich, erschuf er sie und segnete sie und gab ihnen den Namen Adam an dem Tag, da sie erschaffen wurden und im Land auf dem Fußschemel Gottes zu lebenden Seelen wurden.“ (Mose 6:9)
Die geistliche Bedeutung der Ahnenreihe (Mose 6:1-12; Genesis 4,25; Genesis 5:1-5)
Die frühen Kapitel der Menschheitsgeschichte scheinen uns oft wie lose Fäden einer uralten Welt vorzukommen – Namen, Zahlen, Stammbäume, kurze Hinweise auf Leben und Tod. Doch wer tiefer schaut, erkennt darin den Pulsschlag des göttlichen Heilsplans.
In diesen Versen aus Mose 6 spricht der Himmel zu uns über Identität, Menschsein, Familie, Priestertum und Erinnerung. Sie zeigen, wie Gott bereits in den allerersten Generationen die Grundlage für eine heilige Linie legte, die von Adam bis zur Flut reicht.
Es ist eine Geschichte voller Hoffnung, Schmerz, Wiederherstellung und göttlicher Nähe.
1. Set – der Trost Gottes (Vers 2 und 3)
Nach der Tragödie von Abel, dessen Blut von der Erde rief, lag ein tiefer Schmerz auf Adam und Eva. Die Schrift sagt, dass Eva „Set gebar“, und dass Set ihnen „statt Abel gesetzt wurde“.
Dieses „Setzen“ ist mehr als Ersatz – es bedeutet Trost.
Set wird zum Zeichen, dass der Herr das Leid der Gerechten nicht übersieht und dass aus den dunkelsten Verlusten neues Licht wachsen kann.
In Vers 3 heißt es, dass Set „dem Herrn gehorchte, wie Abel gehorcht hatte“.
Das bedeutet: Gottes Weg bleibt nicht ungebahnt. Wo ein Gerechter stirbt, ruft der Himmel einen neuen hervor, der den Bund weiterträgt.
Abels Güte ging nicht verloren; sie setzte sich in Set fort – wie ein geistliches Erbe, das nicht erst am Grab endet, sondern dort weiterfließt.
2. Das Buch der Erinnerung (Vers 5)
Mit der Geburt von Set beginnt etwas Neues:
Die Menschen führen ein „Buch der Erinnerung“.
Was wurde dort festgehalten?
Nicht nur Geburtsdaten, sondern Zeugnisse, Erfahrungen, Offenbarungen, Bündnisse. Ein geistiges Tagebuch der ersten Heiligen.
Es ist, als wollte Gott sagen:
Vergesst nicht, wie Ich euch geführt habe. Vergesst nicht, wer ihr seid.
Dieses Buch ist der erste Hinweis darauf, dass Heilsgeschichte nicht nur gelebt, sondern auch bewusst bewahrt wird.
Es ist der Ursprung aller heiligen Schriften.
Was in Mose 6 als Buch der Erinnerung beginnt, wird heute durch digitale Werkzeuge weitergeführt: Familien, Gemeinden und die Kirche insgesamt schreiben ihre Heilsgeschichte bewusst fort – nicht nur für die Gegenwart, sondern für kommende Generationen. Lies gerne mehr: “Unit History Tool Is Helping Saints Preserve Stories of Faith”
3. Lesen und Schreiben seit Adam (Vers 6)
Vers 6 zeigt etwas Erstaunliches:
Die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben wurde den Menschen nicht erst in späteren Zivilisationen gegeben – sondern seit Adam.
Adam und seine Nachkommen waren nicht primitive Höhlenbewohner.
Die Frühzeit der Menschheit war geistig und intellektuell reich.
Sie verfügten über Sprache, Schrift, Überlieferung, Belehrung und einen bewussten Umgang mit göttlichen Worten.
Damit wird klar:
- Der Glaube beginnt nicht blind.
- Er beginnt mit Wort und Erkenntnis.
- Die Wahrheit wird seit Beginn schriftlich bewahrt und weitergegeben.
4. Das Priestertum – „dasselbe allezeit“ (Vers 7)
Ein Schlüsselvers dieses Kapitels ist Vers 7, in dem Gott erklärt, dass das Priestertum „dasselbe allezeit“ ist. Damit wird bezeugt: Gottes Autorität und Vollmacht unterliegen keinem zeitlichen Wandel, sondern bleiben in Wesen, Auftrag und Wirkung unverändert.
Dieses Priestertum
stammt unmittelbar von Gott,
wurde Adam verliehen,
wurde durch Sets rechtschaffene Linie weitergegeben
und blieb über die Generationen hinweg dieselbe heilige Ordnung.
Hier sehen wir: Es gab keine „ältere“ oder „primitive“ Form des Priestertums. Von Anfang an war es voll und heilig – dieselbe göttliche Autorität, durch die auch Propheten aller Zeiten wirkten. Laut offizieller kirchlicher Lehre ist das Melchisedekische Priestertum die höhere Ordnung des Priestertums, die „das Recht auf die Präsidentschaft inne“ und „Macht und Vollmacht über alle Ämter in der Kirche in allen Zeitaltern der Welt“ hat. Siehe auch Lehre und Bündnisse 107.
Interessant ist, dass dieses Priestertum in der Frühzeit familiär sichtbar wurde: Rechtschaffene Väter segneten, lehrten und führten ihre Familien in Übereinstimmung mit Gottes Willen. Diese Form der Weitergabe ist Ausdruck einer patriarchalischen Ordnung innerhalb des Melchisedekischen Priestertums, in der Rechte und Vorrechte Gottes über Generationen hinweg in der Familie bewahrt wurden. Solche Segnungen und geistlichen Verantwortungen zeigen, wie Gottes Autorität nicht nur kirchlich, sondern auch familiär wirksam wird – nicht als eigenes „drittes Priestertum“, sondern als Ausdruck derselben göttlichen Vollmacht, die in der Kirche heute durch Quoren, Ämter und Präsidien verwaltet wird. Lies gerne “The Source of Priesthood Power”
Damit wird die Ahnenreihe mehr als eine bloße Namenliste. Sie wird zu einer Priestertumslinie – getragen von der Autorität, im Namen Gottes zu handeln, zu opfern, zu segnen, zu lehren und zu führen. Gleichzeitig zeigt sie uns, dass jeder, der heute im Melchisedekischen Priestertum wirkt, Teil einer ununterbrochenen göttlichen Ordnung ist, die von Adam bis heute reicht und in der persönlichen, familiären wie kirchlichen Verantwortung ihren Ausdruck findet.
5. Die Stammliste – ein geistliches Erbe (Vers 8)
Vers 8 nennt erstmals die Stammtafel Adams.
Sie ist weit mehr als eine genealogische Struktur.
Sie bedeutet:
- Gott sieht Generationen, nicht nur Einzelne.
- Er wirkt nicht nur punktuell, sondern durch fortlaufende Familienlinien.
- Er bestätigt die Rechtschaffenen über Jahrhunderte hinweg.
- Eine Stammliste ist nicht nur „wer von wem abstammt“, sondern wer im Bund steht, wer die Segnungen weitergibt, wer Licht durch die Zeit trägt.
Diese Linie ist heilig, weil sie die Vorbereitung der Welt auf den Messias umfasst. Gleichzeitig zeigt sie, dass persönliche Abstammung und Zugehörigkeit zu rechtschaffenen Linien in patriarchalischen Segnungen häufig ausdrücklich mitgeteilt werden, sodass jeder erkennt, wie er in Gottes Plan und im fortlaufenden Priestertum seiner Familie steht.
6. Das hohe Alter Adams – ein Zeichen der Anfangswelt (Vers 12)
Vers 12 erinnert uns daran, dass Adam 930 Jahre lebte – eine Zahl, die uns heute fremd erscheint.
Doch diese Lebensdauer ist nicht nur eine historische Angabe, sondern trägt tiefe geistliche Bedeutung: Die langen Lebensjahre gaben Adam Zeit zur Umkehr und geistlichen Reifung, ermöglichten die stabile Weitergabe von Glauben, Priestertum und Weisheit über Generationen und symbolisieren zugleich Gottes Geduld sowie die Fülle und Reinheit des ursprünglichen Lebens.
Die langen Lebensspannen zeigen, dass das Leben ursprünglich reichlich, gesegnet und in enger Verbindung zu Gott angelegt war. Adam hatte die Zeit, seine Nachkommen zu lehren, das Priestertum weiterzugeben und Zeugnis von Gottes Wegen abzulegen – ein lebendiges Beispiel dafür, wie göttliche Ordnung über Generationen wirken kann.

