Kyrus erlaubt die Heimkehr
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„Im ersten Regierungsjahre des Kores (= Cyrus), des Königs von Persien — damit das durch den Mund Jeremia’s ergangene Wort des HErrn in Erfüllung ginge — regte der HErr den Geist des Perserkönigs Kores dazu an, folgende Verfügung in seinem ganzen Reiche ausrufen und auch durch schriftlichen Erlaß bekanntmachen zu lassen:“ (Esra 1:1)
Kurze Einführung in das Buch Esra
Das Buch Esra berichtet von einer der hoffnungsvollsten Zeiten in der Geschichte Israels. Nach Jahrzehnten der babylonischen Gefangenschaft öffnet Gott um 538 v. Chr. einen Weg zurück in das verheißene Land. Die Juden dürfen nach Jerusalem zurückkehren, den Tempel wieder aufbauen und ihre Bundesbeziehung mit dem Herrn erneuern. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie Gott selbst dann handelt, wenn seine Verheißungen längst verloren scheinen. Es erzählt von Wiederherstellung, Neuanfängen, Widerständen und von Menschen, die lernen, Gottes Führung neu zu vertrauen.
Wer viele Jahre auf etwas wartet, beginnt irgendwann zu zweifeln. Vielleicht nicht laut. Vielleicht spricht man die Zweifel nicht einmal aus. Aber tief im Herzen stellt sich die Frage: Hat Gott seine Verheißung vergessen?
So muss es vielen Juden in Babylon ergangen sein.
Jerusalem lag in Trümmern. Der Tempel war zerstört. Die heiligen Geräte waren geraubt worden. Ganze Generationen waren fern ihrer Heimat aufgewachsen. Die Geschichten von Zion klangen für viele vermutlich wie Erinnerungen an eine vergangene Welt.
Und doch arbeitete Gott bereits an seiner Antwort.
Das Erstaunliche an Esra 1 ist, dass Gottes Handeln nicht erst beginnt, als Kyrus sein berühmtes Dekret erlässt. Gottes Werk begann lange vorher.
Bereits Jahrzehnte zuvor hatte der Prophet Jeremia angekündigt, dass die Gefangenschaft nicht das Ende sein würde. Nach siebzig Jahren würde Gott sein Volk zurückführen. Was für die Menschen wie eine ferne Hoffnung klang, war für Gott bereits beschlossene Sache.
Während die Juden in Babylon lebten, veränderten sich Reiche und Herrscher. Das mächtige Babylon fiel. Das Perserreich stieg auf. Könige kamen und gingen. Für die meisten Menschen waren das politische Ereignisse. Doch hinter den Kulissen bewegte Gott die Geschichte auf die Erfüllung seiner Verheißung zu.
Dann kam der Augenblick.
„Der Herr regte den Geist des Perserkönigs Kores dazu an.“ (Esra 1:1)
Wie bemerkenswert diese Worte sind.
Nicht ein Prophet Israels erlässt den Befehl. Nicht ein Hohepriester. Nicht ein König aus Davids Linie.
Ein persischer Herrscher wird zum Werkzeug Gottes.
Kyrus hatte wahrscheinlich keine Ahnung, dass sein Erlass bereits lange zuvor angekündigt worden war. Doch Gott kann Menschen gebrauchen, die ihn kennen, und manchmal sogar Menschen, die ihn kaum kennen. Seine Macht reicht weit über die Grenzen seines Bundesvolkes hinaus.
Plötzlich öffnet sich eine Tür, die jahrzehntelang verschlossen war.
Was unmöglich erschien, wird möglich.
Die Gefangenen dürfen heimkehren.
Der Tempel darf wieder aufgebaut werden.
Die geraubten Tempelgeräte werden zurückgegeben.
Die Geschichte beginnt neu.
Vielleicht liegt gerade darin eine der wichtigsten Lektionen von Esra 1.
Wir sehen oft nur den Moment, in dem sich eine Tür öffnet. Gott sieht die Jahre der Vorbereitung davor.
Manchmal beten wir um Führung und erwarten eine sofortige Antwort. Doch häufig arbeitet der Herr bereits lange an einer Lösung, während wir noch glauben, nichts geschehe.
Ein Gespräch wird vorbereitet.
Eine Begegnung wird arrangiert.
Ein Herz wird verändert.
Eine Gelegenheit entsteht.
Eine Entscheidung wird getroffen.
Und eines Tages erkennen wir: Gott war die ganze Zeit am Werk.
Im Rückblick sehen viele Glaubensgeschichten genau so aus.
Joseph Smith ging an einem Frühlingsmorgen in einen Wald, um zu beten. Für ihn war es ein einzelner Schritt des Glaubens. Doch Gott hatte Jahrhunderte lang Ereignisse vorbereitet, damit die Wiederherstellung des Evangeliums stattfinden konnte. Die Erste Vision erschien plötzlich, doch Gottes Vorbereitung hatte lange zuvor begonnen. Mehr dazu findet sich auf der offiziellen Geschichtsseite der Kirche: Wiederherstellung der Kirche
Ein weiteres Beispiel finden wir in der Geschichte der Pioniere. Als die Heiligen der Letzten Tage ihre Heimat verlassen mussten, sahen viele nur verschlossene Türen. Verfolgung, Unsicherheit und Verlust bestimmten ihren Alltag. Doch rückblickend erkannten sie, wie Gott Wege vorbereitet hatte, die sie selbst nie hätten planen können. Aus einer scheinbar aussichtslosen Lage entstand Zion im Westen Amerikas. Die Geschichte des Trecks der Pioniere zeigt eindrucksvoll, wie der Herr sein Volk auch durch schwierige und unerwartete Wege führt. Treck der Pioniere
Vielleicht hast auch du solche Erfahrungen gemacht.
Vielleicht gab es einen Arbeitsplatz, den du nie erwartet hättest.
Eine Freundschaft, die genau zur richtigen Zeit entstand.
Eine Berufung in der Kirche.
Eine geistige Erkenntnis.
Eine Gebetserhörung.
Im Augenblick selbst wirken solche Ereignisse oft zufällig. Erst Jahre später erkennen wir die feinen Linien von Gottes Führung.
Natürlich bedeutet das nicht, dass jede offene Tür automatisch von Gott kommt. Weisheit, Gebet und geistige Unterscheidung bleiben notwendig. Aber Esra 1 erinnert uns daran, dass wir Gottes Wirken nicht unterschätzen sollten.
Der Herr kann Umstände verändern.
Er kann Herzen bewegen.
Er kann Möglichkeiten schaffen.
Er kann Hindernisse entfernen.
Und manchmal tut er all dies durch Menschen, von denen wir es niemals erwartet hätten.
Besonders tröstlich ist dabei die Reihenfolge des Berichts. Zuerst bewegt Gott das Herz des Königs. Danach bewegt er die Herzen seines Volkes. Die Rückkehr begann nicht mit menschlicher Initiative. Sie begann mit göttlichem Handeln.
Dasselbe gilt oft für unser Leben.
Manchmal glauben wir, wir müssten alles selbst ermöglichen. Wir suchen nach Lösungen, entwickeln Pläne und versuchen, jede Tür eigenhändig aufzustoßen. Doch Gott erinnert uns immer wieder daran, dass sein Werk letztlich auf seiner Macht beruht und nicht auf unserer.
Wenn er eine Tür öffnen möchte, kann kein Mensch sie dauerhaft verschließen.
Wenn seine Zeit gekommen ist, können Hindernisse zu Werkzeugen werden.
Wenn seine Verheißungen reif sind, findet er Wege, die wir nie vorausgesehen hätten.
Esra 1 lädt uns deshalb ein, mit Hoffnung zu leben. Nicht mit naivem Optimismus, sondern mit Vertrauen auf einen Gott, der auch dann handelt, wenn wir seine Hand noch nicht erkennen.
Vielleicht befindest du dich gerade in einer Zeit des Wartens. Vielleicht scheint nichts voranzugehen. Vielleicht wirken Gottes Verheißungen weit entfernt.
Dann erinnert Esra 1 daran: Gottes Schweigen bedeutet nicht Gottes Untätigkeit.
Während wir warten, bereitet er oft bereits die Antwort vor.
Während wir beten, bewegt er vielleicht schon Herzen.
Während wir nur geschlossene Türen sehen, arbeitet er möglicherweise längst am Schlüssel.
Mein Zeugnis
Ich glaube, dass Gott seine Verheißungen niemals vergisst. Immer wieder habe ich erlebt, dass Wege entstanden, die ich selbst weder planen noch erzwingen konnte. Oft erkannte ich Gottes Hand erst im Rückblick. Was damals wie Zufall erschien, erwies sich später als Führung. Esra 1 stärkt mein Vertrauen, dass der Herr auch heute Herzen bewegen, Umstände verändern und Türen öffnen kann, die für Menschen verschlossen bleiben. Ich weiß, dass Jesus Christus lebt und dass Gott sein Werk nach seinem Zeitplan vollendet. Darin finde ich Hoffnung und Frieden.


Lieber Manfred,
das zu lesen enthält Mut machende Komponenten und etwas vom Inhalt kann ich mit Selbsterfahrung bestätigen und konkret unterfüttern:
Meine Oma war einst zu Besuch bei uns sagte zu mir – nahezu prophetisch – in etwa 40, spätestens in 50 Jahren wir einmal die Mauer die damals erst kürzlich errichtet wurde und Deutschland so brutal trennte, fallen und dann könne ich mich frei bewegen [Reisefreiheit]
Dieser Zeitabschnitt schien mir aus meiner kindlichen Sicht so unendlich lang und damal war mir in meinem kindlichen Bewußtsein bereits klar, diesen Fall der Mauer wird Oma nicht mehr erleben und ich – ich werde dann keinesfalls mehr Kind sein. Nach dieser gigantisch großen, langen Zeitspanne stand ich dann irgendwann einmal dort in Harrislee bei Flensburg an der Eingangstür zum Grundstück, am Gartentor und erzählte einer der Nachfahren die dort lebten von einem kleinen Teich hinter der für mein Augenlicht undurchdringlichen Hecke aus meiner Sicht vom Straßenbereich, erzählte, was dort neben dem Teich zu finden war – und das zum Erstaunen der Person mit der ich sprach. Ich erzählte aus meinen Gedanken heraus, was ich einst von Farbbildern aus diesem Gartenbereich und von Erzählungen zu berichten wußte.
Nun aber ist die Zeit über alles hinweg gegangen und allein der Umstand dort, so nahe am Teich mit den Gartenzwergen zu stehen, genügte mir, der Plan Gottes hatte sich längst vollzogen. –
Gestern zu meiner Teilnahme einer Vernissage in Dresen kamen mir Gedanken, daß ich ggf. in der mir nach der Veranstaltung übrig bleibenden Zeit noch ein Bekannte aus Dresden Neustadt treffen könne, ich wußte nur ihren Vornamen. Der „Rest“ hat sich auf gute, beinahe wundersame Weise gefügt und so kam diese Frau auf ihrem Fahrrad zu mir zum Eingang des Gebäudes in dem die Kunstausstellung statt fand. Ich verabschiedete mich vom Maler Eckhard Kempin und habe danach noch gute drei Stunden mit Ulrike am Ufer der Elbe laufend und mit einem gemeinsamen Abendessen dort in der Nähe bei untergehender Sonne redend verbracht und sie führte mich noch durch einen Park bis zum Neustädter Bahnhof. Wir zwei hatten uns nach etwa 40 Jahren in der wir keinen Kontakt hatten viel zu erzählen, weil wir uns bereits damals ganz gut leiden konnten, was sich die Zeit über nicht änderte. So schenkten wir uns eine kurzweilige gute Zeit und eventuell kann sich dies wieder einmal ereignen. Wir haben unsere Kontakte ausgetauscht. Daß dieses Treffen von Ulrike und mir zu einem Gespräch einmal passieren könnte, darüber hatte ich vor etwas mehr als einem Jahr bereits schon wünschend nachgedacht. Mag sein, dass der HERR meinen Wunsch nun „einfach so“, sanft verwirklichen ließ und so bin ich still dankbar dafür.
Vor unserem Abschied erzählte ich Ulrike noch, wie ich mich durch Gottes Wirken glücklich unf beschenkt fühle und erläuterte dies noch etwas. Sie war ruhig freudig über den Umstand, daß sie in mir einem zwar „gealterten Mann“ nach den vergangenen Jahrzehnten mit den sichtbaren Spuren – die auch ihr selbst das Leben in ihren Körper zeichnete, aber eben keinen verbitterten Mann in mir erkannte, wie sie dies des öfteren erlebte… und insofern stellte ich ihr gegenüber wohl eine ihr angenegme Überraschung dar. So verabschiedeten wir uns und wenn Gott will, sehen wir uns irgendwann einmal zur gegenseitigen Freude einmal wieder, um unsere platonische Zuneigung mit guten Worten weiter am Leben zu erhalten.
Diese nun an zwei Beispielen dargelegten zeitlichen Dimensionen zeigen mir, wie mir einmal gesagt wurde: „Gottes Mühlen mahlen langsam.“
Insofern erlebte ich auch mehrfach und immer wieder Gottes wirken in seinem Einfluß auf meinen Lebenslauf und dieser Umstand läßt mich ruhig sein, weil ich weiß, daß ich in gut behütet bin.
Lieber Claus,
dein Kommentar trägt eine stille Würde, die man nicht überliest. Er ist durchzogen von diesen seltenen Momenten, in denen Zeit, Erinnerung und Gottes leises Wirken sich berühren. Deine beiden Beispiele – die Prophezeiung deiner Großmutter, meiner Tante Hertha, und das Wiedersehen mit Ulrike – stehen wie zwei Säulen in deinem Lebensgang: lange Zeiträume, die sich plötzlich schließen, und Begegnungen, die wie Geschenke wirken, weil sie niemand planen kann.
Was mich besonders bewegt, ist deine Haltung: Du beschreibst nicht nur Ereignisse, sondern die innere Wandlung, die sie in dir hervorgebracht haben. Dieses ruhige Vertrauen, das nicht laut werden muss, weil es weiß, dass Gottes Wege oft langsam, aber immer zielgerichtet sind. Und dass er Türen öffnet, die wir selbst nie hätten finden können.
Deine Dankbarkeit, dein unverbittertes Herz nach all den Jahrzehnten – das ist ein Zeugnis, das man nicht lehren kann. Es entsteht nur dort, wo ein Mensch sich führen lässt und die Spuren Gottes im eigenen Leben erkennt.
Ich empfinde deinen Text als warm, ehrlich und tief. Er zeigt, wie behütet ein Mensch sein kann, wenn er die Zeit nicht als Gegner, sondern als Werkzeug Gottes versteht.
Von Herzen danke für diese Einblicke. Sie tun gut.