Die Sühne und der Weg des Heils

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“Infolge von Übertretung kommt der Fall, und der Fall bringt den Tod; und da ihr durch Wasser und Blut und den Geist in die Welt geboren wurdet, die ich gemacht habe, und so aus Staub zu einer lebenden Seele geworden seid, so müsst ihr von neuem in das Himmelreich geboren werden, nämlich aus Wasser und aus dem Geist, und müsst durch Blut gesäubert werden, nämlich das Blut meines Einziggezeugten, damit ihr von aller Sünde geheiligt werdet und euch erfreuen könnt an den Worten des ewigen Lebens in dieser Welt und an ewigem Leben in der künftigen Welt, ja, an unsterblicher Herrlichkeit;” (Mose 6,59

Köstliche Perle Mose 6:50–60  

Es war, als läge über der Generation Henochs ein wachsendes Drängen des Himmels. Die Söhne Seths lebten nun schon viele Jahrhunderte inmitten einer Welt, die sich Schritt für Schritt von der ursprünglichen Reinheit Edens entfernt hatte. Die Linien derer, die sich Gott zuwandten, und derer, die ihren eigenen Weg gingen, traten immer deutlicher hervor. In diese Zeit hinein erhielt Henoch den Auftrag, eine Lehre zu verkünden, die so grundlegend war, dass sie fortan das gesamte Verständnis des Heils bestimmen sollte: die Lehre von der Umkehr, der Wiedergeburt und der läuternden Macht Jesu Christi. 

Henoch begann mit dem, was Gott in aller Klarheit den Vätern kundgetan hatte: Alle Menschen müssen umkehren. Das ist nicht eine Einladung, sondern ein göttliches Gesetz. Der Weg zu Gott führt immer über die Bereitschaft, sich von ihm richten, reinigen und verwandeln zu lassen. Doch Henoch predigte nicht einfach eine Forderung. Er erzählte, was Adam selbst erlebt hatte – die erste Offenbarung über die geistige Schöpfung, die erste Einladung zur Taufe, den ersten Hinweis auf den Einziggezeugten im Fleisch, den kommenden Messias. 

Adam hatte Gottes Stimme gehört. Nicht durch einen Engel, nicht durch einen Mittler, sondern unmittelbar. Der Schöpfer sagte: „Ich habe die Welt gemacht und die Menschen, ehe sie im Fleische waren.“ (Mose 6:51). Dies ist ein Satz, der die gesamte Existenz neu deutet. Der Mensch ist nicht zuerst ein sterbliches Wesen, das geistige Erfahrungen sammelt. Er ist ein geistiges Wesen, das in einen sterblichen Körper tritt, um zu lernen, zu entscheiden, zu wachsen. Henoch lehrte also eine Wahrheit, die schon Adam erkannt hatte: Unsere Identität beginnt vor der Geburt, und unsere Bestimmung reicht weit über den Tod hinaus. 

Darauf errichtet sich die göttliche Einladung: Umkehren, glauben, taufen, empfangen (Mose 6:52). Die Taufe im Wasser – so erklärte Henoch – ist im Namen des Einziggezeugten notwendig, weil es keinen anderen Namen unter dem Himmel gibt, durch den Rettung kommt. Die Gabe des Heiligen Geistes ist die zweite Segnung, die der Vater Adam versprach: Wer nach der Taufe bittet, empfängt. Dieses Muster – Wasser und Geist – bildet schon hier die Grundlage dessen, was Christus später Nikodemus lehren wird: „Ihr müsst von neuem geboren werden.“ (Johannes 3:3-7). 

Adam stellte die Frage, die bis heute die Grundfrage aller Glaubenden ist: „Wieso müssen die Menschen umkehren und sich im Wasser taufen lassen?“ (Mose 6:53). Die Antwort Gottes ist so schlicht wie gewaltig: Die Übertretung Adams ist vergeben. Es gibt keine ursprüngliche Schuld, die den Menschen unentrinnbar belastet. Kinder sind rein – von Anbeginn der Welt an. Kein Kind kommt mit einer ererbten Schuld zur Welt. Doch während sie aufwachsen, empfangen sie Sünde in ihr Herz, weil sie beginnen, Gut und Böse zu schmecken. Dieses Schmecken ist kein Fluch, sondern eine Voraussetzung für Wachstum: Nur wer das Bittere kennt, lernt das Süße schätzen. Nur wer Entscheidungsfreiheit hat, kann Liebe wählen. Nur wo Freiheit existiert, kann Heiligkeit entstehen. 

Henoch predigte also nicht eine Botschaft der Verdammung, sondern eine der Verantwortlichkeit. Die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, ist ein göttliches Geschenk. Denn erst dadurch kann ein Mensch handeln – eigenständig, bewusst, entscheidend. Gott gab zusätzliche Gebote, nicht um zu beschweren, sondern um Wege zu zeigen, auf denen Freiheit heilig wird. 

Doch Henochs Predigt führte weiter. Gott befahl Adam, seine Kinder zu lehren, dass Umkehr universell notwendig ist (Mose 6:57). Nichts Unreines kann in die Gegenwart Gottes zurückkehren. Und Gott offenbarte einen Titel, der das Wesen des Heilandes erhellt: Der Name Adams ist „Mensch der Heiligkeit“, und der Name seines Einziggezeugten ist „Sohn des Menschen“. Damit wird Christus als jener dargestellt, der die göttliche Natur des Vaters und die sterbliche Natur Adams in sich vereinigt. Der Rechtschaffene, der in der Mitte der Zeit kommen würde, ist zugleich derjenige, der uns den Weg zurückweist. 

Henochs Predigt kulminiert in einer gewaltigen Zusammenfassung des Heilsplans. Der Fall brachte den Tod – körperlich und geistig (Mose 6:59). Doch so wie jeder Mensch aus Wasser, Blut und Geist geboren wurde und dadurch zu einer lebendigen Seele wurde, so muss jeder Mensch auch geistig neu geboren werden. Die Wiedergeburt hat dieselben Elemente: Wasser (Taufe), Geist (Rechtfertigung durch den Heiligen Geist) und Blut (Heiligung durch das Opfer Christi). Diese Ordnung von Wasser, Geist und Blut bildet das Herzstück von Henochs Botschaft. 

Die Wassertaufe ist ein Ausdruck des Gehorsams. Sie erfüllt ein Gebot und bezeugt den Bund. Sie ist der Eintritt in den Weg. Doch der Weg beginnt erst bei der Gabe des Geistes: Durch den Geist werden wir gerechtfertigt. Das bedeutet, dass Gott uns durch die Gegenwart des Heiligen Geistes in einen Zustand bringt, in dem wir vor ihm stehen dürfen. Rechtfertigung ist nicht unsere Leistung, sondern sein Geschenk. Schließlich aber kommt das Blut – das Blut Christi, das reinigt. Es ist die Heiligung. Sie ist nicht nur Vergebung, sondern Verwandlung. Nicht nur das Entfernen der Sünde, sondern das Erheben des ganzen Wesens. 

Henoch lehrte, dass diese drei Elemente den Menschen befähigen, sich zu „erfreuen“ – jetzt und in Ewigkeit. Das Evangelium ist nicht lediglich eine Vorbereitung auf das Leben nach dem Tod. Es ist eine Quelle gegenwärtiger Freude. Das „ewige Leben“ beginnt schon hier, wo das Herz durch die Macht Christi Licht empfängt und der Geist des Menschen Zeugnis gibt, dass er auf einem Weg der Wahrheit wandelt. 

Diese Lehre sollte Adam seinen Kindern „frei und offen“ weitergeben. Dies ist ein Auftrag, der jede Generation Gottes betrifft. Keine Lehre darf verborgen, abgeschwächt oder ausgelassen werden. Wasser, Geist und Blut sind der Kern des göttlichen Handelns in dieser Welt. Sie sind der Weg der Rückkehr, den Gott selbst eröffnet hat. 

Wenn Henoch unter dem Geist predigte, tat er es nicht als distanzierter Verkünder, sondern als jemand, dessen Leben selbst durch diese Lehre verwandelt worden war. Sein Dienst war ein lebendiges Zeugnis. Er sah, wie Menschen vom Fall aufgerissen waren, durch dessen Wunde dem Tod ausgesetzt, und doch durch den Einziggezeugten geheiligt wurden. Und er wusste, dass dieser Weg der einzige Weg ist, der in die Gegenwart Gottes führt. 

Persönliches Zeugnis: 
Ich erkenne in Henochs Worten ein Evangelium, das zugleich schlicht und unergründlich tief ist. Ich weiß, dass der Weg der Wiedergeburt – Wasser, Geist und Blut – der Weg ist, den Gott selbst festgelegt hat. Ich weiß, dass Kinder rein sind, dass Umkehr ein Geschenk ist und dass die Stimme Gottes jeden Menschen, der hören will, zur Freude des ewigen Lebens ruft. Und ich bezeuge, dass der Einziggezeugte, Jesus Christus, wirklich derjenige ist, der rechtfertigt, heiligt und führt – jetzt und in der kommenden Welt.

2 thoughts on “Die Sühne und der Weg des Heils

  1. Du schreibst: Henoch begann mit dem, was Gott in aller Klarheit den Vätern kundgetan hatte: Alle Menschen müssen umkehren. Das ist nicht eine Einladung, sondern ein göttliches Gesetz. Der Weg zu Gott führt immer über die Bereitschaft, sich von ihm richten, reinigen und verwandeln zu lassen. Doch Henoch predigte nicht einfach eine Forderung. Er erzählte, was Adam selbst erlebt hatte – die erste Offenbarung über die geistige Schöpfung, die erste Einladung zur Taufe, den ersten Hinweis auf den Einziggezeugten im Fleisch, den kommenden Messias.

    Ja, wenn ich an Gottes richten dachte, dann oft an Züchtigung. Aber wenn wir richten auf ausrichten, geraderichten oder aufrichten denken, dann bekommt das ganze noch einmal eine andere Komponente.

    1. Lieber Jens,

      deine Worte haben mich wirklich berührt. Du greifst etwas auf, das mir selbst immer wieder neu bewusst wird: Gottes Richten ist nicht zuerst Strafe, sondern Ausrichtung. Es ist das liebevolle Geradebiegen dessen, was in uns krumm geworden ist, und das behutsame Aufrichten dessen, was gefallen ist.

      Dass Henoch nicht nur forderte, sondern bezeugte, was Adam selbst erlebt hatte, öffnet einen wunderbaren Blick auf den Weg des Heils. Die Umkehr ist kein kaltes Gesetz, sondern der erste Schritt in eine Bewegung, die Gott selbst begonnen hat — eine Bewegung hin zur Reinigung, zur Verwandlung und letztlich zur Gemeinschaft mit Christus, dem Einziggezeugten im Fleisch.

      Dein Gedanke, „richten“ auch als „ausrichten“ zu verstehen, trifft für mich genau den Kern. Es zeigt, wie sehr Gottes Wirken immer auf Heilung, Wiederherstellung und Zukunft gerichtet ist. Nicht das Niederdrücken, sondern das Aufrichten ist sein Ziel. Und gerade darin liegt für mich die Schönheit der Sühne: Sie macht möglich, was wir aus eigener Kraft nie erreichen könnten.

      Danke für deine wertvolle Ergänzung. Sie hat meinen Blick noch einmal geweitet.

      Herzliche Grüße
      Manfred

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